Trotz des großen Erfolges unserer Tournee endete sie in Berlin mit Tränen: Jens Mischner verlässt zum Jahreswechsel Molto Vitale, die EMS und Berlin und wendet sich in Baden-Württemberg neuen Aufgaben zu.
Wie wird man späteren Zirkuskindern beschreiben, was Jens für den Zirkus bedeutete? War Anke das Herz und Jens der Kopf und die Hände? Anke der Motor und Jens Getriebe und Lenkung? Inklusive Bordwerkzeug? Als mit Klaus Lutz damals eine der drei tragenden Säulen des Zirkus wegfiel, schien es schwer vorstellbar, daß Molto Vitale in der gewohnten Weise weiterbestehen könnte. Und doch stellten Anke und Jens sich der Herausforderung, waren oft nicht einer Meinung, stritten auch mal und rauften sich wieder zusammen und ergänzten sich gerade durch ihre Verschiedenheit zu einem Ganzen, das für Kinder, Trainer und Zuschauer reiche Früchte trug.
Vielleicht könnte man sagen: Wenn Jens hört, daß ein Rad quietscht, dann wird er es unverzüglich und dabei doch gelassene Ruhe ausstrahlend ölen. Er wird wissen, wie das zu machen ist und welches Öl man am besten verwendet und wo genau im Zirkuskeller die Kanne steht.
Und wenn man dann ein paar Tage, Wochen oder Monate später wieder nachschaut, wird er ein neues Rad gebaut haben. Eines, das hübscher aussieht und sich besser dreht als das alte, mit einem integrierten Behälter für das Öl und der Möglichkeit, vier dieser Räder platzsparend ineinander zu stapeln, so daß sie im LKW genau zwischen die Seillaufanlage und die Kugelwippe passen.
Jens hatte immer das große Ganze ebenso im Blick wie jedes Detail und dazwischen Zeit und Ruhe für die Nöte von Zirkuskindern und die Fragen von Eltern. Was auch immer er tun wird im fernen Baden-Württemberg – es wird sich segensreich für die Menschen in seiner Umgebung auswirken und wir wünschen ihm alles Glück dazu! Wir danken ihm für die Kraft, die Zeit und die Liebe, die er uns und dem Zirkus geschenkt hat.
Später, wenn unsere Tränen getrocknet sind, werden wir daran gehen, ein Dutzend hochmotivierte idealistische Zirkuseltern zu finden, die die entstandene Lücke wenigstens notdürftig ausfüllen können.
Auf Wiedersehen, Jens!
Edit: Wie ich gerade feststelle, fehlt bei der obigen wunderschön gesungenen Version des „Irischen Reisesegens“ die dritte Strophe, daher hier noch einmal der Text:
Hab unterm Kopf ein weiches Kissen,
habe Kleidung und das täglich Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel
bevor der Teufel merkt: Du bist schon tot.
(Refr.)